Familiengeschichte

Die Patrizierfamilie Tucher zählt nicht zu den ältesten Geschlechtern Nürnbergs, stammt aber vermutlich – wie viele andere – ursprünglich aus dem hochmittelalterlichen Stand der Reichsministerialen (Dienstadel). Die Genealogie des "Großen Tucherbuchs" setzt mit dem 1326 verstorbenen Stammvater Konrad ein. 1340 wurde mit Berthold I. (gest. 1379) erstmals ein Tucher Mitglied im Kleineren Rat der Reichsstadt. Bereits im 14. Jahrhundert sind Eheschließungen zwischen den Tucher und den vornehmsten Familien der Stadt belegt.

In der vierten Generation bildeten sich durch die Nachkommen von Hans II. (gest. 1449) und Endres I. (gest. 1440) die Ältere und die Jüngere Linie heraus, die beide bis heute blühen. Je ein Mitglied jeder Linie war bis zum Ende der Reichsstadt 1806 nahezu ununterbrochen im Kleineren Rat vertreten.

Bedeutende wirtschaftliche Erfolge erzielten die Tucher mit ihrer europaweit agierenden Handelsgesellschaft, der "Tucherisch Compagnia", die bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts tätig war. Ihre Gewinne investierte die Familie in Grundbesitz in Stadt und Umland von Nürnberg, so erwarb sie 1598 ihren namensgebenden Sitz Simmelsdorf.

Hermann Schwinger (1640-1683) Deckelpokal mit der Darstellung von Simmelsdorf

In der Folgezeit kamen vor allem aus den Erträgen der Dr. Lorenz Tucher’schen Stiftung weitere Güter hinzu. 1815 wurden die Tucher in die Freiherrenklasse des bayerischen Adels immatrikuliert.      

Wappen

Das Wappen mit dem sogenannten Mohren führt die Familie Tucher seit 1345. Anders als die Wappen der meisten Nürnberger Patrizierfamilien unterlag es im Laufe der Jahrhunderte keiner nachhaltigen Ver-änderung.

Es gibt nur eine Ausnahme: Die vorliegende Wappenscheibe von 1480 mit einem "Mohren", der eine mit Rosetten besetzte rote Stirnbinde über einer merkwürdigen, unter dem Kinn gebundenen weißen Haube trägt. Diese Scheibe stellt die einzige bekannte Abweichung des ansonsten unveränderten Tucherwappens dar.

Für die Familie war der "Mohr" immer mit dem Heiligen Mauritius gleichzusetzen.